Christoph Willibald Gluck

Ein Förstersohn aus der Oberpfalz machte sich im 18. Jahrhundert in ganz Europa einen Namen, verkehrte mit den Großen der Welt und schlug als visionärer Komponist ein neues Kapitel der Operngeschichte auf.

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Ein Perfektionist, der von den Opernstars wegen seines cholerischen Temperaments gefürchtet wurde, aber auch ein Genussmensch, der gern den Freuden der Tafel zusprach: Christoph Willibald Gluck ist eine schillernde Persönlichkeit – und der berühmteste Sohn der Stadt Berching.

Geboren wurde der Komponist am 2. Juli 1714 im Berchinger Ortsteil Erasbach als ältestes Kind des Försters Alexander Gluck und seiner Frau Maria Walburga. In der Pfarrkirche in Weidenwang wurde er getauft. Schon wenige Jahre später zog die Familie nach Böhmen. In der Schule erhielt Gluck ersten Musikunterricht und fiel wohl schon damals durch eine besondere Begabung auf. Sein Vater sah die Begeisterung des Sohnes für die Musik jedoch nicht gern – er wollte, dass der Junge in seine Fußstapfen trat. Der Konflikt mit dem Vater trieb den jungen Gluck, wie er später erzählte, dazu sein Elternhaus im Alter von 16 Jahren zu verlassen und sich nach Prag aufzumachen.

Unterwegs in Europa

In Prag schrieb Gluck sich an der philosophischen Fakultät der Universität ein, widmete sich jedoch wohl hauptsächlich der Musik. 1734 zog er weiter nach Wien und fand eine Anstellung in der Hauskapelle des Fürsten Lobkowitz. Dort machte er vermutlich die Bekanntschaft seines nächsten Arbeitgebers, des Fürsten Antonio Maria Melzi aus Mailand. In der Metropole Mailand wurde er Schüler des Kirchenkapellmeisters und Komponisten Giovanni Battista Sammartini. 1741 wurde in Mailand Glucks erste Oper „Artaserse“ aufgeführt, die mit ihrem neuartigen Stil Aufsehen erregte. In den nächsten Jahren kamen sechs weitere Gluck-Opern in Italien zur Aufführung.

Im Jahr 1745 reiste Gluck nach London, wo er die Bekanntschaft Georg Friedrich Händels machte. Nach seinem London-Aufenthalt schloss der Komponist sich einer Operntruppe an, mit der er durch Europa zog. Zu den Stationen gehörten Dresden, Wien und Kopenhagen.

Die Reform der Oper

Nach seiner Heirat mit Maria Anna Bergin, Tochter aus einer reichen Kaufmannsfamilie, ließ Gluck sich in Wien nieder. Dort war er zunächst als Komponist, später als „Director der Theatral-Musik“ an den Hoftheatern tätig. Am 5. Oktober 1762 wurde im Burgtheater in Wien Glucks erste Reformoper „Orfeo ed Euridice“ uraufgeführt: Die Musik sollte nach Glucks Bestreben nicht nur schmückendes Beiwerk sein, sondern Ausdruck der dramatischen Handlung. Sein Reformwerk setzte er mit der Tragödie „Alceste“ fort. Das Publikum konnte er für den neuen Stil jedoch noch nicht begeistern.

Schließlich erhielt der Komponist einen Auftrag aus Paris und siedelte 1773 mit seiner Frau und seiner Adoptivtochter in die französische Hauptstadt um. Die französische Oper dieser Zeit war vor allem ein prachtvolles Spektakel mit eindrucksvollen Tanzszenen und wunderbaren Ereignissen. Gluck machte sich daran, allen Pomp zu entfernen, um Raum für die dramatische Handlung zu schaffen. „Iphigénie en Aulide" wurde in Paris mit Begeisterung aufgenommen. Privat ereilte den Komponisten mit dem Tod seiner Adoptivtochter jedoch ein schwerer Schicksalsschlag.

Glucks größter Triumph sollte 1779 „Iphigénie en Tauride“ werden. Mit der folgenden Komposition konnte er an diesen Erfolg jedoch nicht anknüpfen, sodass er Paris schließlich verbittert den Rücken kehrte. Seinen Lebensabend verbrachte der Komponist in Wien. Nach mehreren Schlaganfällen stand es um seine Gesundheit nicht mehr zum besten, trotzdem nahm er noch am künstlerischen Leben teil und lernte Mozart kennen. Gluck verstarb am 15. November 1787. Sein letztes Werk, das „De Profundis“, kam bei der Totenmesse zur Aufführung.